Sport

Hast du schon einmal die Kleidung von Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern miteinander verglichen? Hast du dir die Werbung von Roger Federer angesehen und diejenige von Lindsey Vonn? Während Roger Federer sich entweder beim Sport, im Anzug oder beim morgendlichen rasieren zeigt, präsentiert sich Linsey Vonn im knappen Bikini vor einer Schneekulisse mit ihren Skis.

Roger Federer wirbt mit Souveränität, Lindsey Vonn wird zu Gunsten des Marketings zu einem Objekt der Begierde. Hier geht es nicht um die sportliche Leistung. Da Sport eine Plattform für Werbung ist, funktionieren hier die gleichen Mechanismen und somit werden die sportlichen Helden und Heldinnen auch in dieselben Rollenmuster gezwängt.

Aus ,freiem‛ Willen

Deutlich wird dies bei den Regeln des Beach Volleyballs, wo bis vor kurzem genau bestimmt war, wie knapp die Höschen der Spielerinnen sein müssen. Der Verband begründete die Auflage damit, den Sport attraktiver machen zu wollen. Endlich haben sich die Spielerinnen gegen den Verband durchgesetzt und können nun zwischen verschiedenen Tenues wählen. Es ist dann den Sportlerinnen überlassen, wie viel Haut sie zeigen möchten. Damit wird einmal mehr der freie Wille der Frau zur Falle. Bekommt sie keine Sponsoring-Verträge, weil ihre Kleindung zu ‚konservativ‘ ist, dann entgehen ihr Werbeeinnahmen. Tritt sie im knappen Bikini auf, ist es ‚ihr freier Wille‘ und die Branche wäscht ihre Hände in Unschuld.

Emotionen und Homoerotik

Ein im Sport nahezu vollständig unter den Teppich gekehrtes Thema sind Männer und Emotionen, mindestens wenn diese nicht in brüllender Siegerpose oder in grenzenloser Verliererpose bestehen. Der Suizid des deutschen Nationaltorwarts Robert Enke im Jahr 2009 hat die Fussballerwelt erschüttert. Plötzlich zeigte sich: Diese Männer sind nicht nur Gladiatoren in einem modernen Amphitheater, vielmehr leiden sie an Krankheiten, an Einsamkeit und Depressionen.

Fussball und anderer ‚Männersport‘ ist aber auch deswegen interessant, weil sich hier ganze Männermannschaften weinend und ausser sich vor Freude umarmen, aufeinanderliegen und mittels schonungslos thematisierter Heterosexualität die homoerotische Facetten ihres Sports Lügen strafen wollen. Es gibt weder im Fussball noch im Eishockey bekennende homosexuelle Männer. Entspricht das tatsächlich der Realität oder würde die Wahrheit das Bild des stählernen Helden zu sehr erschüttern?