Erziehung

Die meisten Eltern behaupten: „Also mein Sohn bevorzugt einfach Blau – da kann ich gar nichts dagegen machen!“ Doch warum genau bevorzugen Jungen Blau?
Tja, das Angebot schafft eben auch Nachfrage. Ganz ehrlich, welche Eltern wollen ihren Sohn schon im Tütü in den Kindergarten schicken und die Tochter in einer Camouflage-Hose aus dem Haus lassen?

Spätestens, wenn die Kinder solche Ideen umsetzen wollen, greifen wir ein. Das ist verständlich, wer liefert sein Kind schon gerne dem Hohn und Spott der anderen aus? Beispielhaft hierfür sind die Kommentare, die der Kleidergeschmack von Shiloh, Angelina Jolie und Brad Pitts Tochter, provoziert. Die 4-Jährige will offenbar gerne in Jungenkleidern aus dem Haus. Bereits spekulieren Journalist_innen darüber, ob sie vielleicht transsexuell sei. Aber macht es für ein Kind nicht einfach mehr Sinn, Kleider anzuziehen, mit denen man sich in Abenteuer stürzen kann, als den vorgespurten Vorstellungen der Journalist_innen zu entsprechen?

Es ist einfacher, wenn die Kinder nicht aus der Reihe tanzen

Wir ‚machen‘ unsere Kinder so wie wir es für richtig halten. Wir erziehen sie, sozialisieren sie, geben ihnen mit auf den Weg, was wir für richtig und falsch, für gut und böse halten. Leider geben wir ihnen damit auch unsere traditionellen Geschlechterrollen und Stereotypen mit. Die Tochter, behaupten wir dann, ist nun mal ruhiger und anständiger, da ist nichts zu machen. Der Sohn verhält sich demgegenüber eben etwas lauter und frecher. Vielleicht entspricht das tatsächlich dem Naturell der Kinder, vielleicht aber auch nicht. Auf jeden Fall sind wir erleichtert, wenn unsere Töchter und Söhne dem Mainstream entsprechen. Die Frage ist: Wieweit beeinflussen wir unsere Kinder, so zu sein, wie wir es für richtig halten? Wir meinen, ziemlich weit.

Dass ein Coming-out für Menschen aus einem konservativen Elternhaus tendenziell schwieriger ist als für solche aus einem progressiven, lässt vermuten, dass an dieser These etwas dran ist.