Wissenschaft

Frauen studieren Geisteswissenschaften, Männer Naturwissenschaften. Dieser Trend nimmt zwar stetig ab, doch wer einmal in einer Biochemievorlesung sitzt und danach in den Hörsaal für Psychologie wechselt, merkt, dass dieser noch lange nicht passé ist.

17% der Universitätsstudentinnen wählen gemäss BFS ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium, während an Fachhochschulen in Gesundheit nur über 15% aller Student_innen männlich sind.

Unterschiedliche Begabungen?

Haben Frauen und Männer also unterschiedliche Begabungen und Interessen? Begabungen wohl nicht Interessen aber offensichtlich schon. Doch warum das? Bereits Kinder werden nach scheinbaren geschlechtsspezifischen Interessen sozialisiert. Jungen trainieren ihr räumliches Vorstellungsvermögen, indem sie LEGO-Raumschiffe bauen, während Mädchen mit ihren Puppen Familie spielen. Jungen wird technisches Interesse und entsprechende Begabung zugesprochen und entsprechend gefördert, Mädchen gelten als feinfühlig und stehen für das Zwischenmenschliche.

Dass solche Stereotypen offensichtlich mit Vorsicht zu geniessen sind, hat die Psychologin Sapna Cheryan der University of Washington ebenso einfach wie deutlich zeigen können. Sie konnte zeigen, dass Frauen in einem als ‚Nerd-Raum“ gestalteten Raum deutlich weniger Ambitionen zeigten, als in einem neutral gestalteten Raum. Nerds sind für Frauen offenbar keine ‚Role models‘, während ein neutral gestalteter Raum auch Frauen einlädt. Mit neurologischen Erklärungen hat dies offenbar nichts zu tun. 

Die Geschlechtertrennung offenbart sich nicht nur bei der Studienwahl, sondern auch bei der akademischen Laufbahn. Gemäss Angaben des BFS waren 2005 zwar über 50% der Studierenden Frauen, doch unter den Doktoranden_innen machten sich nur noch 40% aus. Unter den Profes-sor_innen sackt der Frauenanteil dann auf magere 13% ab.  
An dieser Schere konnten bislang auch die Gleichstellungsbeauftragen der Universitäten nichts ändern. Wie in allen Domänen ist der Grund dafür vor allem in der Arbeitsteilung innerhalb der Familien zu suchen.

Es geht auch anders

Die Universität Genf geht einen neuen Weg, indem sie Chancengleichheit und Frauenförderung ernst nimmt. Dem Ausschuss für die Neubesetzung von Lehrstühlen müssen zwingend ebenso viele weibliche wie männliche Kandidat_innen vorgelegt werden. Dem Argument‚ es gebe keine qualifizierten Frauen, wurde kein Glaube geschenkt. Und plötzlich gab es offenbar Dossiers von Frauen. Dieses Beispiel zeigt, dass es vor allem die entsprechende Haltung in den entscheidungsbefugten Gremien braucht, um neue Bahnen zu beschreiten. Wird der Gleichstellung und der Chancengleichheit kein Augenmerk gewidmet, ist es kaum möglich, die Strukturen zu ändern und Männer dazu zu bringen, die offenen Stellen mit qualifizierten Frauen zu besetzen. Dieses Phänomen wurde in den 80er Jahren mit dem Begriff ‚gläserne Decke‘ umschrieben – Frauen können die Karriereleiter nur bis zu einer bestimmten Stufe hochklettern.

Die europäische Kommission hat mit einer teuren Kampagne für mehr Frauen in den Naturwissenschaften geworben. Das Image der hässlichen Wissenschaftlerin wird hier gegen die sexy und begehrenswerte Chemikerin ausgebootet. Mehr dazu findest Du im Blogbeitrag It's a Girl Thing!