Geschlechtliche Identität

Die geschlechtliche Identität wird bereits im Mutterleib und in der frühesten Kindheit ausgebildet und ist später nicht mehr veränderbar. Sie beruht auf drei Aspekten: Die Kern-Geschlechtsidentität, die Geschlechtsrolle und die Geschlechtspartner-Orientierung.

Bis heute ist die Frage nicht abschliessend geklärt, warum ein Junge oder ein Mädchen eine lesbische, schwule oder heterosexuelle Kern-Geschlechtsidentität ausbildet. Bis anhin hat die psychologische Forschung dazu tendiert, die heterosexuelle Ausrichtung als ‚normale‘ Entwicklung anzusehen.

Die Yogyakarta Prinzipien definieren den Begriff der geschlechtlichen Identität als „das tief empfundene innere und persönliche Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Geschlecht (gender), das mit dem Geschlecht (sex), das der betroffene Mensch bei seiner Geburt zugewiesen wurde, übereinstimmt oder nicht übereinstimmt; dies schließt die Wahrnehmung des eigenen Körpers mit ein (darunter auch die freiwillige Veränderung des äußeren körperlichen Erscheinungsbildes oder der Funktionen des Körpers durch medizinische, chirurgische oder andere Eingriffe) sowie andere Ausdrucksformen des Geschlechts (gender), z.B. durch Kleidung, Sprache und Verhaltensweisen“.
Indem diese Definition von geschlechtlicher Identität über das biologische Geschlecht hinausgeht, lässt sie Raum für alle möglichen Erfahrungen von Geschlecht. Damit entspricht sie dem modernen Verständnis der Menschenrechte: Denn auch das Gleichheitsgebot und der Schutz vor Diskriminierung ist auf europäischer Ebene nicht statisch formuliert, sondern offen. Damit kann jede neue Diskriminierungserfahrung zu menschenrechtlich gültigen Forderungen formuliert werden.