Duale Geschlechterordnung

Jede Kultur, jede Gesellschaft und Gemeinschaft hat eine fundamentale Frage zu klären: Wie regeln wir unsere menschlichen Beziehungen? Die Antwort auf diese Frage entscheidet, wie wir sozialisiert werden, welchen ‚Auftrag‘ wir in unserer Gemeinschaft zu erfüllen haben. Die Antwort gibt Aufschluss darüber, wer wir sein dürfen, wie wir sein dürfen und was wir tun und nicht tun dürfen.
In der Schweiz und in den meisten anderen Ländern ist die Ausgangslage für die Antwort die duale Geschlechterordnung.

Der Mann mit einem männlichen Körper fühlt sich wie ein Mann und als solcher begehrt er eine Frau. Die Frau dagegen verfügt über einen weiblichen Körper, fühlt sich als Frau und begehrt einen Mann. Auf diesen Mythos stützt sich das Konstrukt der Heterosexualität. Daraus folgt die Idee, dass die Ehe/Familie die Kernzelle der Gesellschaft sei. Wer immer diese Geschlechterkonstruktion in Frage stellt, rührt an einem Tabu. Menschen die dies wagen, weil ihre geschlechtliche Identität oder sexuellen Vorlieben nicht den heterosexuellen Richtlinien entsprechen, werden in weiten Teilen der Welt verfolgt und diskriminiert oder müssen mit Gefängnis- oder gar der Todesstrafe rechnen.
Die Gesellschaft sanktioniert also Menschen, die sich nicht an ihr Regelwerk halten. Je ausgeprägter die dualen Geschlechternormen in einer Gesellschaft sind, desto stärker müssen sie als sexistisch bezeichnet werden.