Strukturelle Gewalt

Damit bezeichnen wir Formen von Diskriminierungen und Ungleichbehandlung, die mit staatlichen oder institutionellen Strukturen einhergehen. Oft bemerken wir sie gar nicht oder wir halten sie für gegeben und unveränderbar. Es ist zum Beispiel nicht ersichtlich, warum wir es tendenziell für ‚normal‘ halten, dass es weniger Professorinnen als Professoren gibt.

Oder dass Frauen weniger verdienen als Männer. Oder dass die Frauenberufe weniger wert sind als Männerberufe. Hier ist die Politik gefragt, die mittels regulierenden Massnahmen (etwa Quoten oder Lohngesetzen) die Strukturen geschlechtergerecht aus- oder umbaut.

Gender Budgeting

Eine weitere Form von struktureller Gewalt ist beispielsweise, dass Patienten und Patientinnen aus dem Spital entlassen werden, obwohl sie noch nicht genesen sind, in der Annahme, dass es die Frauen dann schon richten und ihre Angehörigen für den Staat gratis gesund pflegen werden. Demnach werden die Kosten auf Private abgewälzt. Demgegenüber werden etwa die Kosten für als hochriskant eingeschätzte Fussballspiele nach wie vor von der Staatskasse getragen, da sich die Klubs ihrer Verantwortung entziehen. Die Hooligans, die bei solchen Spielen Schäden in Millionenhöhe anrichten, während zigtausend Stunden Polizeieinsätze anfallen, sind in aller Regel Männer. Gerechterweise müssten solch ähnlich hohe Summen aber auch den Frauen zugutekommen. Eine Massnahme, die in Bezug auf Kosten zu mehr Gerechtigkeit führt, ist die Idee des Gender Budgeting.