Geschlechtsspezifische Gewalt

Gewalt, die eine Person allein aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung erleidet, ist geschlechtsspezifisch. Oft zieht diese Form von geschlechtsspezifischer Gewalt auch strukturelle Gewalt nach sich. Etwa dann, wenn in Gerichtsurteilen implizit vermittelt wird, dass eine vergewaltigte Frau selber schuld gewesen sei, z.B. weil sie aufreizend gekleidet war.

In einem Artikel meint ein Kriminalkommissar der Stadt Basel zu den in einem halben Jahr erfolgten 15 Sexualdelikten (davon 6 Vergewaltigungen), Basel sei halt eine grosse Stadt. Damit gibt er zwar nicht direkt den Opfern die Schuld, nimmt jedoch sexuelle Übergriffe als gesellschaftliches Übel einfach in Kauf. Damit gilt Gewalt an Frauen implizit als ‚normal‘. Wären im gleichen Zeitraum 15 Angriffe auf Politiker erfolgt, wäre die Reaktion wahrscheinlich eine heftige öffentliche Debatte gewesen. Dass nach wie vor mit unterschiedlichem Massstab gemessen wird, kommt auch in den Kommentaren zum Artikel auf der Website des Tages-Anzeigers zum Ausdruck. Geschlechtsspezifische Gewalt gilt bis heute als weniger schlimm als etwa Gewalt aus rassistischen Motiven.
Andere Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt sind Zwangsheiraten, Genitalverstümmelung, ehrbezogene Gewalt, häusliche Gewalt etc.